Aufnahmen Lars Wüller
  • Oz - The Scarecrow
  • One small Step
  • Yutuma
  • „OZ“ ein musikalisches Maerchen
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In the Land of Oz von Lars Wüller - für Gitarrenorchester -

Das Werk beginnt mit dem Satz Dorothy.
Er ist durchweg tonal komponiert und setzt sich somit stark von den nachfolgenden Sätzen ab. Die verspielten, kindlich-liedhaften Melodien und Harmonien verdeutlichen den naiven, aber auch den gewissenhaften und traditionsbewußten Charakter des kleinen Mädchens aus Kansas.

Spätestens nach den ersten Takten des zweiten Satzes The Scarecrow (die Vogelscheuche) wird aber deutlich, dass wir uns keineswegs in einer romantischen Komposition befinden. Der erste Eindruck dieses Satzes erinnert an humoristische Zirkusmusik, bei näherer Betrachtung wird aber deutlich wie tiefgründig dieser Satz ist. Wüller setzt die Dissonanz der kleinen Sekunde so "stur" ein, dass sie wie stets "verunglückte" Primen wirken, ähnlich einem Gitarristen, der nicht merkt, dass er einen Bund zu tief gerutscht ist. Verstärkt wird diese Unbeholfenheit noch durch die häufigen Vorschläge und Glissandi, die wie kleine "Ausrutscher" wirken. Der Charakter der tolpatschigen Vogelscheuche wird somit nur zu deutlich dargestellt
Der nun folgende dritte Satz birgt die nächsten Überraschungen. Trotz oder vielleicht gerade wegen seiner minimalistischen Züge wird dieser atmosphärische Satz vom Zuhörer oft als besonders eindrucksvoll erfahren. The Tin Woodman (der eiserne Holzfäller) beginnt mit den ungewöhnlichen Klängen der präparierten 2. Gitarre, und beschreibt zunächst das mühsame Fortbewegen des eingerosteten Eisenmannes. Nach Einsatz der anderen Stimmen scheinen seine Gelenke jedoch geschmiert und seine rhythmisch-metallernen Schritte bilden die Basis für den gesamten Satz. In einigen Abschnitten, in denen es besonders wuchtig zugeht, kann man erkennen, dass Wüller als Allegorie zum Eisenmann sogar Zitate aus dem Heavy-Metal Bereich einsetzt (Quintakkorde, schnelle Wechsel von gegriffenen Tönen und leeren Saiten in den Melodien). In anderen Abschnitten findet man Seufzer-Motive und romantische Elemente. Der Eiserne Holzfäller ist eben auch im Buch von Frank Baum die Figur mit den stärksten und gegensätzlichsten Emotionen.
The Cowardly Lion (der feige Löwe) beginnt , dem König der Tiere angemessen, majestätisch und kraftvoll. Doch langsam macht sich Unsicherheit breit und nach dem "Schreckschuß" im 8. Takt pulsiert die Angst in Form von leisen Sechzehnteln. Es entsteht eine Art "musikalischer Kampf", in der sich die Motive vom Satzbeginn mehr und mehr durchsetzen, schließlich die Angst überwinden und nun gestärkt das monumentale Ende einläuten.
Der Schlußsatz The Wizard of Oz beginnt mit einer grafisch notierten Partitur, die eine geheimnisvolle, gruselige Atmosphäre aufbauen und fast unmerklich in einen Abschnitte der Komposition überleiten, der mit seinen zornig geschlagenen, dissonanten Akkorden und Bartok-Pizzikatos wohl das größte Klimax des gesamten Werkes erreicht. Nach diesem Kraftausbruch fällt jedoch alles in sich zusammen und wir erreichen den einzigen kurzen Ruhepunkt des Werkes. In stark verzerrter Form werden nun melodische Fragmente aus den vorangegangenen Sätzen verarbeitet. Doch diese bedrückende Stimmung wird schon bald abgelöst von der hoffnungsvollen "Schlußparade", in der markante Elemente aller fünf Sätze nun ganz klar identifizierbar erscheinen. Die Parallelen zu der Geschichte von Frank Baum sind auch hier gut zu erkennen: Der mächtige und vermeintlich übermenschliche Zauberer von Oz, entpuppt sich zur großen Ernüchterung aller als Scharlatan, kann aber letztlich doch allen Figuren Ihre Wünsche erfüllen.
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